Reisebericht August 2015

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travelKai
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Reisebericht August 2015

Ungelesener Beitragvon travelKai » 9. Dez 2015, 09:26

Mittlerweile ist unser Aufenthalt auf Elba schon etwas länger her, doch komme ich erst jetzt dazu einen Bericht zu verfassen, der auch als Feedback auf diverse von mir gestellten Fragen gedacht ist.

Anreise
Ich komme Freitag Abend von der Arbeit nach hause und meine hungrige Familie wartet schon auf mich. Ich brutzle schnell ein Abendessen, während meine Frau noch am packen ist. Nach dem Abwasch schnappe ich mir meine vorbereitete Liste, packe meine Sachen und belade schon mal das Auto. Es geht wirklich das ganze Gepäck für fünf Personen rein. Obwohl einer der Sitze im „Kofferraum“ besetzt ist.
Zu meiner Überraschung fahren wir tatsächlich wie geplant schon um 22 Uhr los.
Gegen Nachmittag war am St. Gotthard noch Stau, nun ist nur noch ganz wenig und ich entscheide kurzfristig doch nicht über Bregenz, sondern durch den St. Gotthard zu fahren.
Mit zwei Tankstopps und einer ausgedehnten Frühstückspause an einer knacke vollen italienischen Autobahnraststätte brauchen wir noch keine 14 Stunden bis nach Piombino. Kein Stau oder zähfließender Verkehr, keine Wartezeiten an den Mauthäuschen, wir rollen einfach durch bis an den Hafen. Seltsam kommt mir allerdings vor, dass man bei Kartenzahlung an den Mauthäuschen keine PIN eingeben muss... Böse Menschen könnten sich also mit einer „gefundenen“ Karte kostenfrei auf Italiens Autobahnen bewegen.
Wir bekommen eine frühere Fähre und gehen auf Elba erst einmal das Nötigste einkaufen. Auch das bekomme ich noch irgendwie im Auto verstaut.
Ziemlich müde kommen wir genau zum vereinbarten Zeitpunkt im Sole e Mare an. Niemand ist vor uns an der Anmeldung. „Es kommt gleich jemand, der Sie zu Ihrem Haus bringt.“ Es kommt auch jemand, der bringt aber die Gäste, die kurz nach uns kamen zu ihrer Unterkunft. Und die danach, und die danach... Ich frage höflich nach. „Gleich“. Nach einer Stunde bin ich etwas energischer und erfahre, dass die anderen Gäste, die nach uns kamen schon seit heute morgen am Strand auf ihre Unterkunft gewartet haben und deshalb jetzt vorgezogen werden. Aha. Jedenfalls bekommen wir jetzt auch unser Häuschen zu gewiesen. Recht weit hinten, unweit des Aufgangs zu dem kleinen Supermarkt und mit „Privatparkplatz“.

Tag 1
Unser Großer wird heute 8 Jahre alt. Leider ist das Wetter nicht so toll, trotzdem gehen wir an den Strand. Er hat vor kurzem schwimmen gelernt und das so gut, dass er mich locker abzieht (ich bin nicht so der große Schwimmer). Nur mit den Beinen schwimmt er neben mir her. „Ich warte auf Dich, Papa“. So ein Angeber. ☺

Tag 2
Wir fahren nach Rio Marina und reservieren eine Fahrt mit dem Bähnchen durch den Parco Minerario für den nächsten Sonntag. Anschließend schlendern wir über den Wochenmarkt. Man bekommt dort hauptsächlich Kleidung und Haushaltsgegenstände. Lebensmittel sind eher dünn gesät und nicht gerade preiswert.
Danach kaufen wir in La Chiusa unseren ersten Elba-Wein und diverse andere „Kleinigkeiten“.
Das Wetter wird besser und wir gehen an den Strand.

Tag 3
Heute ist der erste Wandertag. Wir lassen die Kinder bei der Oma und fahren nach Rio nell’Elba. Ich habe zwei Rother-Wanderungen kombiniert und so laufen wir erst steil durch und nach Rio nell aufwärts und dann recht gemächlich bis zur Kapelle Santa Caterina. Von dort aus anfangs weglos zum Monte Serra. Zurück an der Straße geht es wieder recht steil zum Monte Strega. Besser gesagt es kommt uns recht steil vor. Wieder einmal ist die erste Wanderung doch anstrengender als gedacht. Unsere Körper wähnen sich im Urlaub und rechnen mit Erholung. So langsam sollten sie doch wissen, dass im Urlaub dafür keine Zeit ist.
Auf dem Monte Strega machen wir Rast. Über den Passo la Croce zum Monte Campanello. Zwischendurch sehen wir Nisporto, den Strand an dem gerade unsere Kinder liegen und das Dach unseres Häuschens von oben. Zurück im Rio nell schauen wir uns noch die Kirche an bevor wir wieder zurück fahren.

Tag 4
Wir fahren nach Marciana Alto und bekommen den letzten Parkplatz unten vor der Seilbahnstation. Als die Oma einsteigt wird die Gondel verlangsamt, ebenso als meine Frau mit unserem Kleinen (5) auf dem Arm einsteigt. Unser Großer hat etwas Angst, als er hinterher aber hört, dass sein kleiner Bruder unbedingt bald wieder Seilbahnfahren will, war das alles natürlich gar kein Problem.
Wir genießen bei bestem Wetter die Aussicht über die ganze Insel und während die Oma diverse „Americanos“ trinkt wandern wir vier den No 1 nach unten. Schon kurz nach dem Restaurant ist nicht mehr viel los.
Es ist die erste Gebirgswanderung für den Kleinen und wir ermahnen ihn wiederholt nicht zu springen. Nachdem er an einem besonders steilen Stück den Halt verliert, vorn über fällt und sich eine Beule holt glaubt er, dass es gefährlich ist. Manche Lektionen sind eben schmerzhaft.
Als die Macchia beginnt halten wir nach im Reiseführer versprochenen Rosmarin, Thymian, Wildschweinen, Mufflons, Skorpionen und Giftschlangen Ausschau. Leider haben wir nicht viel Glück. Erst an der Romitorio di San Cerbone, wo wir eine kurze Pause einlegen finden wir einen riesigen Busch Rosmarin.
Weiter unten kommen wir an unzähligen Brombeerbüschen vorbei, die ich ziemlich trocken, aber sehr süß finde. Unser Kleiner kann gar nicht genug davon bekommen.
Auf dem Rückweg halten wir an der Napoleonquelle und füllen unsere Wasservorräte auf. Unsere Kinder trinken noch vier Wochen nach unserem Urlaub „Heilwasser“ aus den Plastikflaschen, die wir dort befüllt haben. Was sie nicht wissen ist, das ich sie immer wieder mit heimischen Mineralwasser auffülle. So bekommt man Kinder dazu ausreichend zu trinken...
Zurück im Ferienhaus will unser Kleiner seine neuen Wanderschuhe, die er heute voll stolz das erste Mal an hatte gar nicht mehr ausziehen.

Tag 5
Acquario dell’Elba in Marina di Campo. Sehr sehenswert für alle Beteiligten. In Marina di Campo einen Parkplatz zu bekommen ist heute aussichtslos. Wahrscheinlich muss man sich auskennen... So fällt der Spaziergang zur Spiaggia di Galenzana leider aus, da die Oma nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist.

Tag 6
Wieder lassen wir unsere Kinder in der Obhut ihrer Oma und fahren nach Poggio. Heute will ich vorsichtig antesten, ob ich Sentiero 00-tauglich bin. Ich bin nämlich nicht ganz schwindelfrei. Von dem Parkplatz im Wald laufen wir mächtig steil bergauf. Zwei Mountain-Biker fahren an uns vorbei, kommen aber nicht viel weiter auf ihren Rädern. Ihre Hinterräder drehen einfach durch. Es ist zu steil. Währen die beiden weiter nach oben schieben, biegen wir auf den Sentiero 7 ab.
Gemächlich gehen wir in leichtem auf und ab durch den Wald. Immer wieder ist der Weg förmlich umgegraben. Wir vermuten Wildschweine.
Als wir aus dem Wald heraus kommen, machen wir einen unfreiwilligen, aber lohnenden Abstecher zu einem Feuerwachturm auf einem riesigen Felsklotz.
Immer steiler und weglos geht es bis zum Calanche hinauf. Hier machen wir eine Rast und können einem Schauspiel beiwohnen, das wir im Anaga-Gebirge auf Teneriffa schon öfter gesehen hatten: vom Norden her kommen die Wolken und werden durch Luftströmung am Berg knapp unter uns nach oben gewirbelt. Im Süden bleibt es sonnig.
Furchtbar umständlich werden im Rother die folgenden paar Meter beschrieben. Die Art der Beschreibung und der Name Heitzmann kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich weiß nur nicht mehr woher.
Zurück geht es ganz entspannt entlang eines Lehrpfades über Schmetterlinge. Nun bin ich recht sicher, dass ich auch die andere Etappe über den 00er schaffe. Denn das heute war problemlos.

Tag 7
Heute lassen wir die Oma zu hause und fahren zum Castello del Volterraio. Zu meiner großen Enttäuschung hatten wir schon die Tage den Baukran gesehen, der weithin sichtbar aus der Burg heraus ragt. Das versaut natürlich die Urlaubsbilder.
Auch hier gibt es im unteren Bereich der „Wanderung“ etliche Brombeerbüsche. Für einen 5-jährigen ist es ganz schön steil, an der Ruine von San Leonardo machen wir eine Pause und genießen die Aussicht über Portoferraio und bis zum Monte Capanne.
Als wir die Burg erreichen müssen wir feststellen, dass der „geheime“ Eingang, den ich im Internet recherchiert hatte zu gemauert ist. Mist! Nach einer Picknickpause versuche ich mit meinem Großen die Burg zu umrunden und einen anderen Eingang zu finden. Leider erfolglos. Spannend ist es trotzdem und ich mache noch ein paar schöne Fotos.
Zurück auf dem Campingplatz gehen wir noch mal an den Strand.

Tag 8
Ins Mineralienmuseum in Rio Marina, das überraschenderweise sogar den Kindern gefällt und von da aus mit dem Bähnchen in den Parco Minerario. Die Bahnfahrt hatte ich mir informativer vorgestellt, doch immerhin sind die Informationen vom Band auch auf deutsch. An einer eisenhaltigen Pfütze hält die Bahn an und die Kinder bekommen einen Beutel und einen Hammer zum Steine klopfen. Was für andere Leute eine Bestrafung ist macht den Kindern so richtig Spaß. Als die Bahn nach einer halben Stunde weiter fahren will kann es unser Kleiner gar nicht fassen, dass er schon wieder gehen muss.
Auf dem Rückweg halten wir in Rio nell’Elba am Lavatoio Pubblico, danach geht es wieder an den Strand.

Tag 9
Der Himmel ist Wolkenverhangen und dunkel. Wir vertrauen einfach darauf, dass die Wolken an den Bergen kleben bleiben und in Pomonte besseres Wetter ist.
In Secchetto machen wir einen Abstecher zu dem Hofladen in Vallebuia, der hier im Forum empfohlen wird. Wir finden ihn auch, aber es gibt dort nur Weißwein. Das ist nicht so unser Geschmack. Es ist dort aber noch ein weiteres Lädchen ausgeschildert, das dort ganz in der Nähe ist. Es ist ein Touri-Laden. Es gibt dort sehr leckere Sachen, man kann probieren, einige davon gibt es im Supermarkt günstiger.
In Pomonte angekommen wandern wir durch verwilderte Gärten stetig nach oben. Schwarze Wolken hängen an den Bergen Richtung Monte Capanne, den man heute nicht ein einziges Mal sehen kann. Die Vegetation wird immer dichter, es ist feucht-warm, ich muß an meinen Trip durch den Costa Ricanischen Nebelwald denken.
Irgendwann wird es immer steiler und bald kommen wir aus dem Wald. Noch immer schwarze Wolken Richtung Monte Capanne. Pomonte und etwas Meer kann man trotzdem sehen. Es donnert. Am ersten Caprile machen wir Rast.
Es geht weiter durch die übliche mediterrane Berglandschaft, vorbei an weiteren Caprili. Langsam kann man hin und wieder durch die Wolken hindurch das Meer in Richtung Süden erahnen und als der Wald beginnt kommen auch die ersten Sonnenstrahlen durch.
Eine tolle Tour, die gerade durch den Nebel einen ganz besonderen Reiz hatte, trotzdem würde ich das gerne nochmal bei klarem Himmel gehen.

Tag 10
Wir cruisen bewusst über Umwege nach Campo nell’Elba, hinauf in die Berge und besichtigen den Torre di San Giovanni. Nichts Besonderes, aber ein schönes Fotomotiv.
Ganz in der Nähe spazieren wir zur Eremo di San Francesco Saverio. Netter kleiner Spaziergang, den auch die Oma mühelos schafft. Bis auf das letzte steile Stück. Da wartet sie lieber unten. Unser Kleiner sammelt wieder Brombeeren.
Dann nach Marciana Marina. Die Nautilus fährt heute wegen zu starkem Seegang leider nicht. Merkwürdig, denn das Meer in Marciana sieht ruhig aus.
Wir gehen ein Eis essen. Nicht gerade günstig, aber sensationell lecker. Das beste Stracciatella, das ich je hatte. Wir probieren mehrere Sorten. Nicht alle sind herausragend, aber die meisten.
Zurück nach Nisporto und an den Strand.

Tag 11
Wir lassen unseren Kleinen bei der Oma zurück und fahren mit unserem Großen zur Wallfahrtskirche Madonna di Monserrato. Eine „schwarze“ Wanderung steht an.
Kurz vor der Kirche geht es links mächtig steil bergan. Mama kann mit uns Männern nicht mithalten. Aus dem Wald herausgekommen, kann man die Kirche erstmalig von oben sehen. An der Weggabelung mache ich allein einen Abstecher auf einen nahen Gipfel.
Als wir dann zusammen weiter laufen wird unser Großer kleinlauter. Es ist zwar nicht mehr steil, aber Mama hat eben doch mehr Kondition.
Picknick vor der Abzweigung zum Monte Castello, dann hinauf. Tolles Panorama auf die engste Stelle der Insel und wie so oft bis zum Monte Capanne. Wieder wird deutlich wie winzig die Insel eigentlich ist. Gipfel-Selfie und wieder runter.
Die Wegbeschreibung ist etwas merkwürdig. Wir sollten so langsam rechts abbiegen. Als wir Volterraio von oben sehen (klasse Position für ein Foto) wissen wir definitiv, dass wir falsch sind und gehen zurück zu unserem Picknickplatz. Wir finden nichts was der Beschreibung im Rother auch nur nahe kommt und gehen den Weg noch weiter zurück. Einer Eingebung zufolge gehen wir neben einem Felsen querfeldein abwärts in den Wald. Das kommt der Beschreibung recht nahe. Die Grundrichtung stimmt auch.
Plötzlich bemerkt meine Frau den Verlust ihres Fotos. Sie hatte ihn dort wo wir Volterraio gesehen hatten ab gelegt und vergessen.
Als ich nach einem Gewaltmarsch 40 Minuten später wieder da bin versteckt mein Großer breit grinsend seine Hände hinter dem Rücken. Dann präsentiert er mir seinen Fund: ein kompletter, skelettierter Ziegenschädel. Sau-cool!
Weglos geht es ein ganzes Stück bergab durch den Wald. Durch Laub und Steine. Keine Zivilisationsspuren. Kein Wunder, das hier sogar Ziegen drauf gehen.
Irgendwann kommen wir auf einen Weg. Dieser führt dann von hinten zur Kirche. An einer Stelle hilft ein Seil einen steilen Abhang hinunter.
Nach dem Abendessen muss Mama als Wiedergutmachung für meinen Marathon Eis für alle besorgen. Lecker!

Tag 12
Wir verraten unserem Kleinen nicht, dass wir heute wieder Seilbahn fahren. Ohne ihn. Heute ist der große Parkplatz schon voll. Da wir uns ja mittlerweile schon auskennen fahren wir ein Stück weiter und auf den kleinen Parkplatz oberhalb der Seilbahnstation. Heute ist auch die Schlange davor länger.
Gleich hinter dem Gipfel ist der 00er Menschenleer. Und gleich geht die Kletterei los. Abschnitte, die sich im Wanderführer recht harmlos lesen sind mit Stahlseilen abgesichert. Schon nachdem wir das erste abgesicherte Stück hinter uns gebracht haben eröffnet mir meine Frau, dass sie da (wegen ihrer geringen Körpergröße) auf gar keinen Fall wieder hoch kommt. Oha.
Wir kommen langsamer voran als ich vermutet hatte, was aber auch an dem tollen Panorama liegt. Der Weg, der auf die Galera führt wird im Rother als das schwierigste Stück beschrieben. Das sieht von unten gar nicht so aus. Trotzdem weiß ich, dass nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg das Problem sein wird. Ich weiß es einfach. Deshalb entscheide ich die Galera zu umgehen. Laut dem Rother ist das möglich. Wir klettern zwei Stunden lang über Felsen und zwängen uns durch Büsche unterhalb der Galera. Wir finden ein zerschmettertes Mobiltelefon unterhalb der Steilwand, glücklicherweise nicht den Besitzer, jedoch keinen Weg nach oben.
Wir kehren um. Jetzt muss ich über die Galera. Der Weg nach oben ist trotz Stahlseilabsicherung nicht weiter dramatisch. Oben wieder ein toller Blick über die Insel. Dann geht es abwärts. Wieder mit einem Stahlseil abgesichert, direkt neben dem Abgrund. Freiwillig würde ich da niemals runter, aber ich habe keine Wahl. Zurück geht es nicht mehr. Ich schiebe den Gedanken an das Mobiltelefon direkt unter uns in den Felsen beiseite und konzentriere mich nur auf das was ich tue. Notiz: Bei dem nächsten Einsatz mit Stahlseilabsicherung unbedingt Kletterhandschuhe dabei haben! Schwitzige Hände rutschen leicht ab und die zarte Haut eines Bürohengstes leidet ebenfalls.
Hinter der Galera geht es entlang einer Felswand was von weitem schlimmer aussieht als es ist. Der Weg wird immer gemütlicher. Leider haben wir bei dem Versuch die Galera zu umgehen so viel Zeit vergeudet, sodass wir Madonna del Monte nun nicht mehr besichtigen können. Wir steigen direkt nach Marciana Alto ab. Ab dem Ortsrand ist die Wegbeschreibung wieder mal nicht eindeutig, was uns aber egal ist. Wir gehen einfach in der groben Grundrichtung durch schmale Gassen zurück zum Auto.
Auf dem Rückweg halten wir kurz an der Napoleonquelle. Einheimische, die mit Kanistern und unzähligen Wasserflaschen vor uns stehen lassen mich mit meinen beiden Flaschen vor.

Tag 13
Wir packen die Koffer und Mama beschließt den letzten Tag nicht wie geplant am Strand zu verbringen, sondern es noch einmal mit dem Glasbodenboot zu versuchen. Also ab nach Marciana Marina. Heute fährt das Boot auch.
Ganz entspannt sitzen wir am Oberdeck, stehen am Bug oder am Heck und genießen die Fahrt an der Küste entlang. In der Gegend um Pomonte werden die Zugänge zum Rumpf geöffnet und wir nehmen unterhalb der Wasserlinie Platz. Als das Boot hält sehen wir Taucher, einen Fischschwarm und das Highlight: das versunkene Schiff.
Bei gutem Wetter können wir heute die Berge hinter Pomonte bis zu Monte Capanne sehen.
Nach der Fahrt noch einmal zu der Eisdiele weitere Sorten probieren.
Zurück im Ferienhaus noch einmal ganz kurz zum Strand, danach möchte ich wenigstens einmal nicht kochen und wir essen die teuerste Pizza unseres Lebens.

Heimreise
Hausübergabe unproblematisch, wir sind viel zu früh in Rio Marina. Diesmal können wir leider nicht früher fahren. Schade.
Die Heimfahrt dauert deutlich länger, die Autobahnen sind heute voller. Kurzer Stopp an einem kleinen Parkplatz bei Carrara. Die Bordsteine und die Parkplatzmarkierungen sind aus Marmor. Wir entscheiden wieder über den Gotthard zu fahren. Heute warten wir 15 Minuten bis wir fahren dürfen. Nicht weiter dramatisch.
Wieder in Deutschland machen wir unseren Tank wieder voll und Oma möchte einen Kaffee trinken. Angesichts des Preises von 3,80 Euro für einen Becher lässt sie es dann doch bleiben.
Ab jetzt sind die Autobahnen fast leer und wir rollen nonstop durch bis nach hause, wo wir morgens um 4 Uhr ankommen.

Ferienhaus Sole e Mare
Ausstattung: nur das Allernötigste für 6 Personen vorhanden. Notbett für die 6. Person in der Küche.
Lage: etwas Abseits, zur Hauptsaison aber gut besucht.
Sauberkeit: Geschirr musste vor Gebrauch komplett gespült werden, Kühlschrank müffelt, sonst akzeptabel. Gesamteindruck: Benutzt, aber nicht herunter gekommen.
Preis/Leistung: für Elba wohl OK, im Vergleich zu anderen Inseln zu teuer.
Strand: Reiner Kiesstrand mit großen Steinen. Badeschuhe empfehlenswert. Viel Seegras.
Allgemein: kein Aufenthaltsraum, bei gutem/warmen Wetter ist die Terrasse aber sowieso schöner zum sitzen/essen.
Der Fernseher (wenn ihn jemand im Urlaub denn wirklich braucht) ist winzig und hängt in der Küche knapp unter der Decke.
Notklingel in der Dusche.
Ausreichend Parkplätze.
Wasser tröpfelt zu "Stoßzeiten" nur. Abends duschen kaum bis gar nicht möglich.
Publikum hauptsächlich italienisch, gefolgt von Deutschen.
Deutschsprachige Ansprechpartnerin war erst am Abreisetag anwesend, Rest des Personals mit dem wir zu tun hatten hat gute bis sehr gute Englischkenntnisse. Kinderanimation auf italienisch.
Abends ab 23 Uhr ruhig.
Kleiner Supermarkt für das Nötigste vorhanden, im Vergleich zu größeren Supermärkten auf Elba nicht so viel teurer, im Vergleich zu Deutschland schon.
Zu Bruch gegangenes Geschirr muss verständlicherweise ersetzt werden. Z.B. 1 Wasserglas laut Preisliste (hängt aus) 1,50 Euro, im Supermarkt 3 Gläser 1,95 Euro.
Man muss sich wohl darüber im Klaren sein, dass es sich hier um einen Campingplatz handelt und darf nicht die gleichen Erwartungen haben wie bei einem "normalen" Ferienhaus. Wenn man damit leben kann und damit, dass man erst ein Stück fahren muss, wenn man irgendwo hin kommen will kann man diese Adresse bei der Urlaubsplanung mit in die engere Auswahl nehmen.

Verkehr
Es wird immer gewarnt sich an die Verkehrsregeln insbesondere an Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. Ich möchte niemandem etwas anderes raten, trotzdem ist man uns anfangs fast in den Kofferraum gefahren als wir die Geschwindigkeitsbegrenzungen exakt einhielten. Wir haben uns ziemlich schnell dem fließendem Verkehr angepasst. Wobei das schon sehr unterschiedlich sein kann: Touristen, deutsche als auch italienische sind fast schon Verkehrshindernisse, auch die zahlreichen SUVs, Maserati, Porsche ect., Einheimische haben es da meist schon eiliger.
Überholen ist auf Elba meist unmöglich, da zu unübersichtlich. Bei Poggio wurden wir von einer jungen Frau auf eine Art und Weise überholt, die man nur von jungen Männern mit Testosteronstau kennt. In Portoferraio war sie immer noch direkt vor uns. Es bringt nichts.
Vergesst bei stockendem Verkehr in Kreiseln alle Schilder und Vorfahrtsregeln. Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt. Ähnlich wie in einigen karibischen Ländern, nur nicht so brutal. Wenn man jemanden rein lässt, der Vorfahrt hat wird von hinten gehupt. Das Reisverschlussverfahren bei Engstellen ist unbekannt. Gleiche Vorgehensweise.
Eine gefährliche Unsitte ist es die Kurven zu schneiden. Vor unübersichtlichen Kurven scheren die Einheimischen z.T. wie ein Rennfahrer auf die Gegenfahrbahn aus. Ich kann mit unserem voll besetzten Familienvan entspannt auf unserer Spur mithalten. Ich fahre in Kurven immer so nahm am Straßenrand wie möglich, trotzdem haben wir mehrere Beinah-Unfälle mit dem Gegenverkehr.
Wir sehen ungefähr alle zwei Tage einen Rettungswagen im Einsatz. Einmal kommen wir an einem stark verbeulten Roller in der Einfahrt von La Chiusa vorbei. Der abfahrende Rettungswagen hat es nicht eilig...
Elbas Straßen bestehen fast nur aus Kurven. Wir sehen öfter Kinder am Straßenrand, die sich das Kindermenue noch mal durch den Kopf gehen lassen. Auch unserem Großen, der solche Achterbahnfahrten kennt und liebt wird einmal schlecht. Seit dem will keins unserer Kinder mehr ganz hinten sitzen.

Tanken
Preise wie sie nicht unterschiedlicher sein können. Die günstigste entdeckte ist die Automatentankstelle in Procchio, die teuerste in Portoferraio. Preisunterschied von 15 ct. innerhalb der selben Stunde.

Preise
Nicht ganz so günstig. Fleisch doppelt so teuer wie in und um Frankfurt am Main. Wir essen kaum welches. Nur wenn es im Angebot ist.
Huhn bezahlbar.
Kaffee trinken gehen ziemlich günstig. Nur der Kaffe.
5 Pizza, 2 Fanta, 1 Wasser, 2 Glas Wein 75 Euro. Pizza mit 3! Sardellenfilets, 5! Scheiben Salami. Ansonsten lecker.
Bier: Vielleicht bin ich ein Banause, die Biersorten schmecken alle gleich. Das Touri-Elba-Bier habe ich nicht probiert. Ab 4,50 für 0,33l.
Attraktionen: überteuert, wie fast überall

Spezialitäten
Der Wein von La Chiusa war der, der uns am besten schmeckte. Zum Preis von 10(?) Euro ebbes hatten wir schon schlechteren, aber auch schon besseren. Der Elba Rosso Terre del Granito aus dem Supermarkt zu 6,70 war fast genau so gut und somit in einem besseren Preis/Leistungsverhältnis. Der Rote der Cantina Mazzei Battani sagte uns gar nicht zu. Dafür aber deren Süßwein, was normalerweise gar nicht unser Ding ist.
Womit wir beim Aleatico sind: sehr lecker, aber recht teuer.
Grappa di Aleatico von La Chiusa. Für die Hälfte des Preise hätte ich mehr davon mit genommen, so bleibt es bei einer Flasche, mit der ich immer noch sehr sparsam umgehe.
Olivenöl: auch nichts anderes als das was ich beim Italiener zu hause bekomme. Gut, aber kein Vergleich zu gutem kretischen.
Schiaccia Briaca: Vielleicht habe ich ja was falsch gemacht. Wir finden diesen Kuchen für Preise zwischen 5 und 10 Euro. Gleiche Größe, gleiche Verpackung. Im Supermarkt, beim Bäcker. Ich hatte einen von La Chiusa für 6,50(?) und einem aus dem Supermarkt für 5 Euro. Beide schmeckten gleich. Den enthaltenen Aleatico kann man wenn man es weiß erahnen. Es schmeckt nicht schlecht, mit einem Glas Aleatico noch besser, ist aber nichts Besonderes.
Mandelgebäck: Knochenhart. Unser Großer mochte es.

Wandern
Das ist es was Elba für uns ausmacht. Eine Landschaft, die mit Mallorca vergleichbar ist, aber eben doch nicht genau gleich. Recht einsame Gebirgswanderungen mit Blick auf das Meer. Viele Farne.
Der Rother, der eigentlich als die Wanderbibel gilt ist zumindest für den Anfänger nicht unbedingt geeignet. Er ist überarbeitungsbedürftig. Teilweise sind Beschreibungen einfach falsch, weil z.B. ein Baum nicht mehr steht (Santa Caterina ) oder eine Markierung geändert wurde (Madonna di Monserrato).
Mittlerweile weiß ich woher ich den Namen Heitzmann kenne: er betreibt eine Mallorca-Site mit einigen recht ausgefallenen Wanderungen. Heitzmann-Wanderungen sind zum Teil wirklich was Besonderes. Manchmal weglos kommt man an Orte, an die offensichtlich nur wenige Menschen gelangen. Wohl auch aus gutem Grund. Da wird die Umrundung eines Felsens kompliziert in einem ganzen Absatz beschrieben, eine Strecke von einer Stunde nur in einem Nebensatz. Beschreibungen sind nicht immer eindeutig. Man braucht oft viel Orientierungssinn.
Die viel geforderte Schwindelfreiheit ist bei den von uns gegangenen Touren nur auf dem 00er, westlich vom Monte Capanne nötig. Ich will da wieder hin. Ich glaube ich habe Blut geleckt.

Besonderheiten

An unserem Ankunftstag stehe ich total übermüdet im Supermarkt an der Käsetheke. Ich werde einfach nicht beachtet. Bis ich bemerke wie eine Kundin einen kleinen Zettel in ein Kästchen wirft. Man muss Nummern ziehen! Wenn man die Augen aufmacht sieht man auch die Zahl an der Wand hinter der Theke. Gutes System wie ich finde. Besser als das Gedrängel bei uns.
Als ich das erste Mal Brot holen will falle ich fast in Ohnmacht. 4,50 Euro steht da an einem kleinen Weißbrot! Ich bin direkt wieder raus aus dem Laden. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass das der Kilopreis ist. Selbst Brötchen werden abgewogen.
Mit meinen paar spanischen Vokabeln verstehe ich zwar keinen Spanier, die Italiener aber recht gut. Die sprechen einfach viel deutlicher.
Grüße, Kai

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Reiner
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Re: Reisebericht August 2015

Ungelesener Beitragvon Reiner » 10. Dez 2015, 11:02

Hallo Kai,

danke für den tollen Erlebnisbericht! :thumbup:
Ich werde ihn noch einmal in aller Ruhe lesen und genießen ;)

Wenn Du damit einverstanden bist, würde ich den Bericht auch im Blog (http://blog.elbahome.de) einsetzen wollen.
viele Grüße
Reiner

https://elbahome.de

travelKai
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Re: Reisebericht August 2015

Ungelesener Beitragvon travelKai » 4. Jan 2016, 11:50

Hallo Reiner,

ich kam erst jetzt dazu wieder mal rein zu schauen. Klar kannst Du meinen Bericht auf Deiner Site einstellen, wenn Du möchtest.
Schön, dass er Dir gefallen hat.

Grüße, Kai
Grüße, Kai


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